Mittwoch, 10. September 2014

Leserwunsch Analyse - Mast Therapeutics

Ein Leser hat den Wunsch an mich heran getragen und gefragt ob ich mich nicht einmal zu Mast Therapeutics äussern könnte, weil er soviel gutes über das Unternehmen lesen würde.

Das Schwert des Damokles - Richard Westall 1812

Nun - ich habe mir die Aktie angeschaut - und auch die Mühe gemacht die Präsentation und den Geschäftsbericht zu lesen - und sofern verfügbar - auch die medizinischen Veröffentlichungen quergelesen - bis ich das Interesse an der Aktie verlor...

Zunächst zum Gesamtsektor:

1. Im Februar diesen Jahres wies ich darauf hin, dass wir im Biotechbereich eine Blasenbildung beobachten können und dies zu platzen droht. Inzwischen wissen wir dass viele aufgeblähte Unternehmen aus diesem Sektor deutliche Kursverluste hinnehmen mussten. Trotz der Kursverluste der Biotechs sind viele Biotechs immer noch massivst überbewertet. Die Marktkapitalisierungen vieler Biotechs stehen in keinem Verhältnis zu den Vermögenswerten, selbst wenn man entsprechenden good will für entsprechende Medikamentenspipelines hinzurechnet.

2. Die Managementgehälter in der Branche sind vielerorts unverschämt und dreist. Viele - ja die meisten Biotechs verbrennen Cash und werden wahrscheinlich niemals irgendwelche Gewinne generieren.

3. Beim Durchblättern meines Chartheftes im Biotechordner bei dem ich einige hundert Biotechs vor einigen Jahren auf der Watchlist angelegt hatte, musste ich feststellen, dass rund die Hälfte inzwischen von der Bildfläche verschwunden ist. Viele davon waren seinerzeit in den Medien als Heilsbringer den Anlegern verkauft worden, entpuppten sich aber im nachhinein als Rohrkrepierer.

Insofern sind Medienberichte im Bereich der Biotechnologie mit besondere Vorsicht zu geniessen - vor allem wenn solche Unternehmen schon eine Kursvervielfachung hinter sich haben.

Schaut man sich Mast Therapeutics an, so ist die Webseite des Unternehmens eher dürftig, da man dort eine konkrete Auflistung des Standes in einem Übersichtsdiagramm zur drug pipeline vermisst, wie es normalerweise für Biotechs üblich ist. Das Unternehmen beschränkt sich auf einen "Wirkstoff" der sich Polaxamer 188 nennt und intern als MST-188 firmiert. Angeblich soll dieser vermeintliche Wirkstoff, der eher eine Chemikalie mit tensidischem Charakter ist, sich positiv auf Zellmembranen auswirken. Demnach handelt es sich um eine kationisch amphiphile Substanz. Diese Substanzen sind in der Lage die Bluthirn-Schranke zu passieren. Der nächste Gedanke beim Durchlesen der Webseite, war, dass diese Substanz wahrscheinlich auf Grund seiner Struktur die Nieren schädigen dürfte. 

Dieser Anfangsverdacht wurde beim Durchlesen einiger wissenschaftlicher Arbeiten so denn auch umgehend bestätigt. Denn in den ersten Studien von Polaxamer 188 waren bei den Probanden Nierenschäden aufgetreten. Diese - so das Unternehmen - seien Folge des Umstandes gewesen, dass das Produkt nicht gereinigt gewesen wäre. Eine später gereinigte Version dieser Chemikalie, deren Wirkmechanismus vollkommen unklar ist und nur hypothetischer Natur ist, habe - so das Unternehmen - zu keinen Nierenschäden mehr geführt.

Gleichwohl werden einige schwerwiegende Nebenwirkungen von mit Polaxamer 188 behandelten Probanden verschwiegen, die auch im Vergleich zu Plazebo behandelten Patienten von hoher Relevanz sind - wenn auch angeblich nicht statistisch signifikant. Hierzu zählt das Auftreten einer Thromobozytopenie und die Erhöhung der Leberwerte. 

Der Umstand dass Mast Therapeutics sich im Grunde im wesentlich nur auf die Entwicklung dieser Substanz konzentriert, deren konkreter Wirkmechanismus nur hypothetischer Natur ist, macht das Unternehmen zu einer Hochrisikoanlage.

Der Unternehmenswert liegt derzeit deutlich unterhalb der Marktkapitalisierung und es ist auch in keinster Weise absehbar ob das Unternehmen jemals einen Gewinn erwirtschaftet. Es gibt zwar ein oder zwei interessante Studien die einen gewissen optimistischen Grundton rechtfertigen, aber selbst wenn diese Studien sich später als Treffer erweisen würden, so ist das Unternehmen gegenwärtig als ambitioniert bewertet anzusehen.

Wer will kann sich ein paar Stücke ins Depot legen. Aber er muss sich im klaren darüber sein, dass das alles den Bach runtergehen kann. Wer das Risiko scheut hier auf dem falschen Fuss erwischt zu werden, der wartet ab bis die Aktie in etwa ihren Cashbestand ansteuert und durch weitere Kapitalerhöhungen sich frisches Kapital beschafft hat. Ich persönlich halte das Unternehmen erst für interessant, wenn es unter 0.40 USD je Aktie notiert - also unterhalb seines gegenwärtigen Equity. Und sollte die Aktie unter 0.20 USD fallen dann muss man selbst eine solches Ereigenis dann entsprechend bewerten, weil dann auch Kursrückgänge auf uner 0.10 USD nicht ausgeschlossen werden können.

Es wäre nicht die erste Biotechbude, die mit grossen Versprechungen vermarktet wird und am Ende pleite ist. Beispiele dafür habe ich in meinem Chartheft die letzten Wochen en masse gelöscht. Hinzukommt dass Polaxamer-188 kein Alleinstellungsmerkmal hat, geschweige den ein relutionäres Wirkprinzip darstellen würde. Es gibt Konkurrenten die mit ähnlichen Substanzen versuchen am Markt Gelder abzugreifen. 

Die charttechnischen Signale sind in der Zusammenschau ebenso widersprüchlich wie die fundamentalen Daten. Ein Investment zwingt sich aus meiner Sicht der Dinge hier nicht auf, zumal der Laden auf absehbare Zeit auch keine Profite erwirtschaften wird, sofern er überhaupt jemals welche erwirtschaften wird. Da ein 50/200 MDA bearish cross over vorliegt ist hier eher Zurückhaltung angezeigt.

Es gibt sicherlich besser Biotechs derzeit, die bei der breiten Masse noch nicht in den Fokus gerückt sind, was freilich nichts daran ändert, dass der Gesamtsektor weiterhin vollkommen überbewertet ist - bis auf eine Handvoll von Ausnahmen.

Schade um die Zeit, die man hier verschwendet hat, um das Unternehmen zu beleuchten.

Ein Video auf der Homepage und vollmundige Versprechungen reichen bei mir nicht aus, um hier ein Investment zu tätigen. Ich denke dass der Minensektor derzeit wesentlich attraktiver bewertet ist, als der gesamte Biotechsektor, der zudem mit Blick auf den US-Dollar als solches mit dem Risiko des Unterganges behaftet ist. Biotechs sind leider keine Goldminen - insofern schwebt über all diesen unprofitablen Unternehmen in der Biotechbranche mit Blick auf die vermeintlich konfortable Situation das Schwert des Damokles in Form des US-Dollars.

Viele Grüsse.

Cord Uebermuth.




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1 Kommentar:

  1. Leserwunsch Analyse - Mast Therapeutics

    Na nun wird sich in den kommenden Wochen zeigen ob Ihre Analyse zu MAST richtig war und es eine wie Sie geschrieben haben "Schade um die Zeit, die man hier verschwendet hat, um das Unternehmen zu beleuchten ". Die EPIC -Studie ist am 22.02.2016 beendet Ergebnis im 2 Quartal angekündigt.
    Es ist übrigens falsch , auf der Homepage wird sehr ausführlich über die Med. - Pipeline berichtet. Gerne hier noch ein Link zu wo alle Ergebnisse und Aussichten zur Markteinführung dargestellt sind. http://www.masttherapeutics.com/wp-content/uploads/2012/09/MastThera_CorpPres_03.07.2016.pdf
    Beste Grüße

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